Skip to content
Menu

Wettkampfsport in der Feuerwehr Eichen

„Das sag‘ ich euch einmal…“ – oft begannen so die Ansprachen des Ehrenwehrführers Karlfried Mörschel vor der Mannschaft. Keinen Namen verbindet man so wie diesen mit dem Wettbewerbssport der Feuerwehr Eichen. Was vor mehr als 60 Jahren begann, ist heute eine Erfolgsgeschichte, die sowohl in Deutschland als auch international seinesgleichen sucht.

1961 war das Jahr, in dem der Internationale Feuerwehrverband CTIF in Bad Godesberg erstmals die Internationalen Feuerwehrwettkämpfe (Weltmeisterschaften) ausrichtete, die auch als Feuerwehrolympiade bezeichnet werden. Seitdem messen sich alle vier Jahre die besten Teams verschiedener Länder in verschiedenen Wettkampfarten: Neben den Jugendfeuerwehrwettbewerben und den Feuerwehrsportwettkämpfen für Berufsfeuerwehren auch in den sogenannten Traditionellen Internationalen Feuerwehrwettbewerben (siehe Infokasten).

Dank Karlfried Mörschel ist die Feuerwehr Eichen seit Anfang an dabei. Und nicht nur das: Aus der Idee, Sport in die Feuerwehr zu bringen, wurde eine feste Institution: Mit acht deutschen Meistertiteln, 19 Gesamtsiegen im Deutschlandpokal und 18 olympischen Goldmedaillen sind die Eicher Wettkämpfer mit Abstand die erfolgreichste Feuerwehr bei traditionellen CTIF-Wettkämpfen – national, als auch weltweit. Und längst zählt nicht nur die Männer-, sondern auch die Frauenmannschaft zur Weltelite.

60 Jahre Wettbewerbsgeschichte haben neben unzähligen sportlichen Erfolgen auch die älteste deutsch-österreichische Feuerwehrpartnerschaft mit den Kameraden aus Höflein bei Wien hervorgebracht, sowie ab 2001 eine Partnerschaft mit der Feuerwehr Desno Trebarjevo bei Zagreb in Kroatien. Es gibt bis heute kaum einen aktiven Eicher Kameraden, der nicht einmal aktiv an CTIF-Wettbewerben teilgenommen hat. Ebenso ist den meisten Bürgerinnen und Bürgern die Wettbewerbstradition Ihrer Feuerwehr ein Begriff.

Traditionelle Bewerbe

Bei einem trockenen Löschangriff wird ein realer Einsatz mit einer Gruppe (neun Feuerwehrleute) simuliert. Diese besteht aus drei Trupps à zwei Personen – Wasser-, Schlauch- und Angriffstrupp – sowie einem Maschinisten, einem Melder und einem Gruppenführer. Gemeinsam hat die Mannschaft Schlauchleitungen von der Wasserentnahmestelle bis zu den beiden C-Stahlrohren aufzubauen.

Dafür werden zunächst vom Wasser- und Schlauchtrupp mit Unterstützung des Maschinisten vier Saugleitungen in Reihe ausgelegt, zusammengekuppelt und an die Pumpe angeschlossen. In der Zwischenzeit legt der Angriffstrupp die Schlaugleitungen inkl. Verteiler „nach vorne“ in Richtung Brandobjekt aus, bevor der Wassertrupp ihm zur gedachten Brandbekämpfung folgt. Ein Team aus Wertungsrichter:innen achtet auf mögliche Fehler.

Sport trifft Geschicklichkeit

Neben der benötigten Zeit für die gesamte Übung wird die regelkonforme Durchführung bewertet: Für Fehler und unsauberes Arbeiten gibt es Strafpunkte, die auf die Gesamtzeit addiert werden. Die besten Gruppen der Welt benötigen etwa 28 Sekunden, um die Übung erfolgreich zu beenden. In dieser Zeit laufen einzelne Wettkämpfer bis zu 120 Meter – mit voller Montur und Schläuchen in der Hand. Neben Schnelligkeit zählt aber auch Geschick: Jeder Handgriff wird tausendfach geübt, um perfekt zu sitzen.

Nach der Angriffsübung folgt noch eine 8 x 50-Meter-Staffel inkl. dreier Hindernisse in Form einer Wand, eines Schwebebalkens und eines sieben Meter langen Rohres. Diese Staffel wird von den besten Gruppen in etwa 52 Sekunden gemeistert, wobei es auch hier Strafpunkte für Wechsel außerhalb der Wechselzone geben kann.

Qualifikation

Um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, benötigen die Teams einen langen Atem. Neben regelmäßigen Wettkämpfen in ganz Deutschland finden bereits zwei Jahre zuvor Ausscheidungen in den Bundesländern statt, in der sich die jeweils besten regionalen Teams für die Deutsche Meisterschaft im folgenden Jahr qualifizieren. Dort kämpfen dann die besten Gruppen des Landes, häufig um die 50 Mannschaften, um die begrenzten WM-Plätze. Ein einziger Fehler an diesem Tag kann das Aus bedeuten und die Arbeit von mehreren Jahren zunichte machen.

Männer ab 16 Jahren starten in der Bewertungsklasse A, Männer mit Alterspunkten in der Klasse B und Frauen in der Bewertungsklasse C. Jede Saison gibt es zudem den Deutschlandpokal (DP) zu gewinnen. Ihn erhält das Team, das in teilnehmenden DP-Wettkämpfen am Ende die summiert besten Ergebnisse erzielt hat.

Platzierung bei Weltmeisterschaften

Chronik der Eicher Wettkampfgruppen

  • Alles begann mit den Beschlüssen der Plenarversammlung des CTIF am 22. September 1960. An diesem Tag wurden die „I. Internationalen Feuerwehrwettkämpfe“ vom 21. bis 25. Juni 1961 in Bad Godesberg am Rhein in der Bundesrepublik Deutschland ausgerufen.

    Aufgrund internationaler Kontakte und herausragenden Leistungen bei Landesbewerben erhielt die Feuerwehr Eichen eine Einladung zu dieser ersten sogenannten „Feuerwehrolympiade“ (Weltmeisterschaft) überhaupt. Schnell wurde die neue Wettbewerbsform ein fester Bestandteil des aktiven Dienstes in Eichen, um bei den internationalen Bewerben ein gutes Bild für Deutschland abzugeben.

    Nach Monaten des Trainings hieß es dann für elf Eicher Kameraden am 20.06.1961 Abfahrt nach Bonn-Bad Godesberg. Im fairen und kameradschaftlichen Wettstreit maßen sich erstmals 51 Gruppen aus elf Nationen miteinander – damals noch ohne Beteiligung der Sportwettkämpfer. 

    Da die Initiatoren Österreich und Deutschland die Wettkampfbestimmungen in ihren Ländern schon seit mehreren Jahren anwandten, wurde die Wertung der deutschsprachigen Länder von jenen der nicht deutschsprachigen Länder getrennt vorgenommen. Dabei gelang der Mannschaft aus Eichen in der „Königsklasse“ mit Platz 4 bereits beinahe auf Anhieb der Sprung aufs Treppchen.

    Die ersten Eicher Olympioniken. Sie gewannen 1961 in Bad Godesberg die einzige Goldmedaille für die damalige Bundesrepublik Deutschland. 
    Die erfolgreiche Wettbewerbsgruppe 1961 beim Empfang in Eichen.